Startseite

Inspiration

Warum dein Kind nicht dein Chef ist, und Schuldgefühle ein No Go: 4 Tipps für den Alltag mit Kindern.

Wir alle wollen nur das Beste für unsere Kinder.
Viel Natur, Bewegungsfreiheit, Selbstbewusstsein, lustige Abenteuer und Menschen, die ihnen wohl gesonnen sind.
Wir wollen Bullerbü.

Die Wahrheit lautet jedoch:
Bullerbü gibt es nicht.
Dein Kind wird oft Schwierigkeiten meistern, und Langweile aushalten, und mit Menschen zu tun haben müssen, die es ganz und gar nicht mögen. Es wird mal Angst haben, und sich unmöglich benehmen und dich ab und zu enttäuschen.
Nicht an jedem Tag fühlst du dich wie die Mutter des Jahres, und nicht jeder Tag ist Kuscheln und Kekse Backen.
Eher so: Totalversager- und am liebsten im Badezimmer-Heulen-Tag.

Damit diese Tage so selten wie möglich vorkommen, und weil mir Mamis ganz besonders am Herzen liegen, habe ich heute einen weiteren Post in Sachen Leben mit Kindern verfasst.
Es sind vielleicht keine bahnbrechenden Neuigkeiten (dafür auch keine Plattitüden aus Lehrbüchern oder Seminaren), aber darum geht es nicht:
Du musst die Wahrheit so oft wie es irgendwie geht hören, weil die Kinder… äh, Umstände auch mal laut schreien können.
Und bei der Wahrheit geht es nicht um „Kenn‘ ich, weiß‘ ich, habe ich schon gehört.“
Bei der Wahrheit geht’s um Verinnerlichen.
Und ich kenne die Wahrheit, und schreibe sie für dich auf.

Bereit?

1. Ob du alles richtig oder falsch machst, spielt keine große Rolle.

Immer, wenn ich etwas Positives über meine Kinder schreibe, lese ich Kommentare wie „Du hast alles richtig gemacht.“
Ich weiß zwar, dass das als ein nettes Kompliment an mich als Mutter gemeint ist, aber der Punkt ist:
Es spielt überhaupt keine Rolle, was man „richtig“ oder „falsch“ macht.

Wir machen alle ganz viel richtig, und dann noch ganz viel falsch, aber am Ende des Tages zählt nur eins:
In welcher Atmosphäre wächst dein Kind auf?
Wer bist du?
Was geht von dir aus?
Was sind die Vibes, die in deinem Haus meistens vorherrschen?
Kinder sind wie ein Schwamm und nehmen alles viel mehr wahr, als man sich vorstellen kann.

Du kannst noch so viel vorlesen und kümmern und fördern und spielen und die tollsten Kindergeburtstage organisieren:
Bist du dabei gestresst, minderwertig, voll mit Sorgen, genervt, usw. – dann hat das einen viel, viel größeren Input in das Leben aller, die mit dir zusammen sind, als jedes Laternenbasteln es haben könnte.
Schaffst du es mal eine Woche lang nicht, die Zu Bett Geh-Routine mit deinem Kind einzuhalten, bist aber grundsätzlich voller Energie, Zuversicht und Lebensfreude, dann ist dieser Impact ca. 100 mal stärker.
(Und es ist auch keine Katastrophe, wenn man dann tatsächlich mal genervt oder frustriert ist, das packen die dann schon ;)).

Am Allerwichtigsten ist es, dass es dir gut geht.
Dann geht es automatisch allen um dich herum gut.
Basteln kannst ja trotzdem (oder nicht), spielt keine sooo große Rolle, wie du glaubst ;). .

2. Dein Kind ist nicht der Chef.

Bedürfnisorientierte Erziehung in Ehren, aber der Punkt ist:
Wer bestimmt bei dir daheim?
Wer führt?

Ich bin ganz bestimmt kein Befürworter von harter Disziplin, respektiere meine Kinder als Persönlichkeiten, und stelle mich auf sie ein, aber am Ende des Tages sind es meine KINDER.
Nicht meine Chefs, meine Leitfiguren oder meine Bestimmer.
Es ist MEIN Zuhause, und sie dürfen hier wohnen und aufwachsen.

Ich verrate dir etwas:
Kinder lieben Führung.
Egal, wie sehr es ihnen im Moment nicht passt, und wie sehr sie anscheinend dagegen rebellieren, und was für eine „blöde Mama!“ du heute bist – Führung ist etwas unendlich Schönes, Gesundes und Wichtiges.
Du kannst ihnen kaum etwas Besseres vermitteln, als: „Wie ist es, wenn man eine Führungspersönlichkeit ist? Wie verhält sich diese und wie tritt sie auf?“

Aber Joanna, wie mache ich das konkret? Wenn z.B. meine Tochter mit 3 Jahren…
Ich beantworte dir keine konkrete Frage.
Ich will dir nur ein Bewusstsein schaffen, dass DU führst.
Nicht dein Kind.
DU FÜHRST.

Wenn DU führst, dann entscheidest DU, wann ihr im Restaurant vom Tisch aufsteht (und nicht das Kind, weil es ihm langweilig ist), was es zu Essen gibt und wann (und nicht dein Kind, weil es beschlossen hat, dass es alles Grüne boykottiert, oder weil ihm um 9 Uhr abends einfällt, dass es nun doch etwas essen will), wann es genug mit Toben ist (und nicht das Kind, weil es gerade so aufgedreht oder so süß ist), und wann gelernt wird, und wann nicht (und nicht das Kind, weil es zuerst noch seine Lieblingssendung schauen will).

Konkret kann ich absolut nichts sagen, weil jedes Alter und jedes Kind unterschiedlich ist, und dann kommt jemand um die Ecke mit „Aber mein Kind ist hochsensibel und es soll sich entwickeln dürfen.„, und schon bist du verunsichert.
Weil: vielleicht ist dein Kind einfach auch nur hochsensibel und will sich entwickeln? Dann soll es eben noch etwas essen dürfen/toben dürfen/was auch immer dürfen, damit seine Persönlichkeit nicht eingeschränkt ist?

Solange das hochsensible Kind die ganze Familie führt, seine Bedürfnisse alles bestimmen, und jeder sich um sein Wohlergehen dreht, tut es weder ihm, noch dir gut.
Und es muss dir zuallererst gut gehen, siehe Punkt 1.

Also wirst du aushalten müssen, dass das Kind mal sauer, beleidigt oder grumpy ist, weil es seinen Willen nicht durchsetzen durfte – und das muss dir egal sein.
Völlig, ganz und gar, total egal.
Und das ist nicht egoistisch, sondern gut.
Du nimmst es nicht persönlich, und bist ganz bestimmt nicht frustriert wegen „Warum kriege ich es nicht hin? Und was mache ich falsch?„, und bleibst unbeeindruckt.
Viele Eltern geben nach, damit „die Stimmung wieder gut ist, und das Kind zufrieden“, und das ist zwar mit Sicherheit einfacher, aber hat nichts mit Führungsqualitäten zu tun.

Du führst.
Nicht deine Kinder.
Und sollten deine Kinder bis heute geführt haben (nicht so selten, wie man glaubt!), dann änderst du das heute noch.

3. Finde deinen Flow.

Ich war eine so junge Mami, dass ich kaum Kontakt zu anderen Müttern hatte – die meisten meiner Freunde waren am Studieren/Die Welt Bereisen/Karriere Bauen.
Was ich zunächst als Nachteil empfand, stellte ich später als ein großes Glück heraus, denn ich hatte niemanden, der mich verunsichern konnte – ich ging selbstredend davon aus, dass ich alles ganz wunderbar hinkriege, hatte keine Vergleiche zur Hand, und handelte meist intuitiv.
Alles, was mir selbst als Kind Spaß machte, setzte ich genauso mit den Kindern um (nur in noch cooler ;)).
Alles, was mir selbst als Kind keinen Spaß machte, setzte ich genau anders um (z.B. machte ich den Kindern immer ausgefallene Lunchboxen, weil ich mein immer gleiches Pausenbrot als Kind so hasste, dass ich es wegschmeißen musste).

Ich war (und bin es natürlich noch) eine Mama, wie sie nur ich sein kann: eine Joanna als Mama eben ;).
Und ich bin davon überzeugt, dass meine Kinder exakt eine Joanna als Mama brauchten.

Und genau so ist es bei dir:
Finde deine Art, Mama zu sein – diese, die zu DIR passt.
Und vertraue, dass genau DAS zu 100% das ist, was dein Kind braucht.
Du bist absolut und ganz bestimmt und über jeden Zweifel hinaus die absolut perfekte Mutter für DEINE Kinder.

Bist du ein organisierter und strukturierter Typ, dann brauchen deine Kinder genau DAS.
Bist du spontan und unternehmungslustig, sind es genau die Eigenschaften, die deine Kinder am weitesten bringen.
Bist du energiegeladen und zielstrebig, hilft es deinen Kindern am allermeisten.
Backst du gerne Kekse, dann go for it: ihr könnt das jede Woche machen.
Hasst du Backen, dann geht lieber in eine Galerie mit deinen Kindern, schaut euch Monet an und trinkt hinterher heiße Schokolade bei Starbucks – was auch immer am besten zu dir passt.
Backt dein Kind für sein Leben gern, dann schicke es zur Nachbarin oder Oma, die auch so gerne backt.
Und dann vertraust du, dass es genau das Richtige für dein Kind ist.

Damit sage ich NICHT, dass man andere Frauen nicht als Inspiration betrachten kann – ganz im Gegenteil!
Wer auch immer dich ermutigt, dir neue Ideen schenkt, deinen Horizont erweitert, dir Druck wegnimmt, und dir Freude am Leben mit den Kindern schenkt, ist herzlich willkommen.
Wenn du aber merkst, dass er dich stresst, dich verunsichert, oder dir Schuldgefühle macht, dann höre ihm nicht zu.
Einfach, oder?

Um Missverständnisse zu vermeiden:
Ich habe Schwimmen in öffentlichen Schwimmbädern zwar selbst gehasst (wenn man mit Kindern hingeht, friert man einfach die ganze Zeit, und ich habe sehr gefroren), aber weil ich frühes Schwimmen Lernen für essentiell hielt, waren wir jede Woche seit ihrem 1. Geburtstag im Schwimmbad.
Die Kinder hatten viel Spaß, und deshalb fand ich es dann auch schön.
Wir verstehen uns ;),

4. Warum Schuldgefühle für dich ein NO GO sind.

Schuldgefühle werden auf wundersame Art und Weise mit der Geburt geliefert, und gehören für einige zum Muttersein wie die Stillflecken auf dem Tshirt.
Ist ja auch kein Wunder:
THEORETISCH wissen wir, dass wir nicht impulsiv reagieren sollen, dem Kind genügend Führung bieten und Freiheiten lassen, und dann noch ganz viel Zeit zusammen verbringen und Spaß haben und alles entspannt sehen.
Und dann macht das Kind irgendeinen unvorhergesehenen Mist, und alles läuft schief, und du bist sowieso schon gestresst, und deine Reaktion völlig unangemessen.
Yeah, Setzen, Sechs in der Mütterklasse, Schuldgefühle vom Feinsten.

Bei manchen von euch gehören Schuldgefühle so sehr zum täglichen Standard, dass sie gar nicht mehr wissen, wie es ohne sie geht:
Sich schuldig fühlen, weil man mit dem Kind zu wenig Zeit verbringt.
Sich schuldig fühlen, weil man dem Kind finanziell nicht viel bieten kann (was auch immer das konkret heißt).
Sich schuldig fühlen, weil die Beziehung zum Partner so viele Konflikte verursacht, und das Kind darunter leidet.
Sich schuldig fühlen, weil kein Partner, und das Kind doch „einen Vater braucht“.
Sich schuldig fühlen, weil man nicht so viel gefördert, gebastelt, unternommen, vorgelesen, zu viel/zu wenig Grenzen gesetzt – die Angebotspalette ist breit gefächert.
Schlechtes Gewissen wie Kaffee, der dir mehrmals täglich serviert wird.

Schuldgefühle legen sich auf dich wie eine Last und liefern dir ein 1A Versager-Bewusstsein:
Du tust nicht genug, du bist nicht gut genug.
Du Versager-Mutter auf ganzer Linie, was kannst du schon?
Oder (die Variante für Fortgeschrittene): grundsätzlich machst du es schon ganz gut, aber in diesem einem Punkt: Versager.

Aber Joanna, ich habe tatsächlich einen Fehler gemacht! Und wenn ich mich nur lange genug schlecht fühle, dann werde ich mein Verhalten das nächste Mal bestimmt ändern.“
Nice try, aber ich kann dir versichern:
Du kannst dein Verhalten auch einfach so ändern. Weil du es willst. Und es kann dich niemand daran hindern.
Du brauchst nicht den Teufel als Gottes dreckigen Helfer.
Du brauchst dich nicht selbst zu kasteien, weil das weder dir noch deinem Kind weiterhilft.
Du brauchst keine Schuldgefühle, die dich – als dein Gewissen getarnt (mit ekliger Selbstanklage im Gepäck) – dazu treiben, du kannst dich immer, immer, immer entscheiden, es anders zu machen.
Du kannst dich entschuldigen, und dann entscheiden, und dann weiter geht’s!

Es ist sogar psychologisch nachgewiesen, dass Schuldgefühle die Eltern-Kind Beziehung belasten und blockieren.

Erwarte keine Absolution vom Kind, damit es dir deine Schuldgefühle wieder ausredet oder dich fest umarmt und dir zur Verstehen gibt, dass „alles wieder gut ist.“ – das ist NICHT SEINE AUFGABE.
Du bestimmst selbst, dass alles wieder gut ist, und hast in dieser Sekunde (!) einen neuen Anfang, eine neue Chance, eine neue Möglichkeit, es anders zu machen.
Und wenn das Kind schmollt, dann ist es trotzdem für dich vorbei OHNE SCHULDGEFÜHLE, ohne „Aber ich habe mich wirklich schlimm benommen und das Kind darf ruhig beleidigt sein.“, ohne, ohne, ohne.
Ich habe nicht gesagt, dass du dich nicht aufrichtig entschuldigen sollst – DAS HABE ICH NICHT GESAGT.
Ich habe nur gesagt, dass schlechtes Gewissen dort absolut nichts zu Suchen hat.

Dein Part ist: endschuldigen, Schuldgefühlen widerstehen, und ändern, was es zu ändern gibt – ob du dein Verhalten änderst, die Partnerschaft, unter der das Kind so leidet, oder deine Zeiteinteilung – das ist deine Verantwortung.
Der Part vom Kind ist: Entschuldigung annehmen und dir vergeben.

Keiner kann den Part des anderen übernehmen.

Aber Joanna, wenn ich kein schlechtes Gewissen mehr zulasse, woher weiß ich dann, wenn etwas verkehrt läuft?
Du bist kein herzloser Roboter, sondern voller Liebe zu dir selbst und deinem Kind.
Du weißt es immer.

Das Kind ist kein Projekt, dass du erfolgreich abschließen musst, und das benotet wird, und bei dem du dir hinterher auf die Schulter klopfen kannst: „Alles richtig gemacht.“
Bullshit, du hast überhaupt nicht alles richtig gemacht – du hattest einfach nur Glück, und dann gab es noch Tausend Faktoren (eins davon war die eigene Persönlichkeit des Kindes), mit denen du überhaupt nichts zu tun hattest.

Genauso wenig trägst du für alles Verantwortung, was mit dem Kind schief gelaufen ist.
Das wäre aber auch eine unsagbar große Verantwortung und die absolut perfekte Spielwiese für allerlei schlechtes Gewissen.
Schenke dem Teufel nicht diese Genugtuung.
Entschuldige dich, beschließe, dass es nächstes mal anders läuft, und dann bleibe dabei.

Und wenn du gerade sowieso so schön beim Beschließen bist:
Beschließe noch, dass du die allerbeste und genau richtige Mutter für dein Kind bist.
Und beschließe, dass dein Kind sich hervorragend entwickeln wird, ganz egal, wie es gerade aussieht.
Und beschließe, dass du Schuldgefühlen nicht mehr deine Zeit und Aufmerksamkeit schenkst (in der Zeit könntest du zig schönere Dinge machen), und du dich weigern wirst, darauf einzusteigen – Anfangs wirst du dich übrigens sehr vehement weigern müssen.
Und beschließe, dass für dich das mit der Kindererziehung ganz einfach und flowig und wunderschön läuft, der Spaß bei Weitem überwiegt, und du das ganz großartig machst.
Und beschließe, dass du führst, und sich alles nach dir richtet.
Weil sich alles immer nach der Liebe ausrichtet – ein Naturgesetz.

Und dann bleibst du dabei und beschließt es immer wieder, ja?
Ganz egal, was dir deine Erfahrungen und Schwiegermutter und dein sich gerade auf dem Boden wälzendes Kind sagen, ja?

Ja, Joanna.
Großartig, du hast alles richtig gemacht.

 

Liebesgrüße
Joanna

P.s. Mir ist gerade noch eingefallen:
Manche von euch haben Schuldgefühle wegen „früher“.
Sie waren früher zu streng, früher zu nachlässig, hatten früher eine andere Sicht auf Erziehung, und jetzt sind die Kinder verkorkst, und rate mal, wer Schuld ist?
Naaaa?
Du, logisch!

Für dich gilt absolut dasselbe wie in Punkt 4:
Schuldgefühle sind ein No Go, egal ob aktuell oder wegen „früher“.
Du vergibst dir selbst (kannst dich meinetwegen nachträglich bei den Kindern endschuldigen, wenn du möchtest, das bricht keinem einen Zacken aus der Krone), und deine Kinder vergeben dir.
Für das Erste bist du zuständig, für das Zweite nicht ;).

Lifestyle

Bye Bye October – Hello November!

  Im Oktober hatte ich mehr zu tun denn je, denn Neo war läufig, meine Kinder zum Dogwalken alle nicht verfügbar, also beinhaltete mein Tagesprogramm tägliche Wald- und Wiesenläufe von 2-3 Stunden. Im Stechschritt. In Sachen Auslastung ist der…