Inspiration

10 unbequeme Wahrheiten über das Leben mit Kindern (die sich keiner zu sagen traut).

 

Kinder zu haben ist bekanntlich supersüß, denn überall sieht man welche und außerdem war man irgendwann selbst eins.

Die Vorstellungen, wie das Leben mit Kinder abläuft, sind mit einer Zuckerwatte-ähnlichen Schicht überzogen und mit einem Instagram-Filter gefärbt.
Jenseits der niedlichen Baby-Outfits, der perfekten Inszenierungen und der unendlichen Liebesbezeugungen, wie sehr man doch im eigenen Kind aufgeht (aka „du bist das Beste, was mir je passiert ist“) gibt es einiges, was nicht wirklich klar kommuniziert wird, obwohl es sehr herausfordernd ist.
Dort stolpern frischgebackene Eltern rein, sind verwirrt und verunsichert, und schlimmstenfalls frustriert und am Boden zerstört.
Dann gibt es alle paar Wochen ein großes Geheule („ich schaffe das alles nicht, es ist mir zuviel“) , anschließend wird man wieder aufgebaut („irgendwie geht’s immer weiter“), nur um in absehbarer Zeit dieselbe emotionale Achterbahnfahrt aufzunehmen.

Das muss nicht so sein!
Wenn man das nämlich von vornherein wüsste, wäre der Schrecken nur halb so groß, wir würden uns jegliche Panik ersparen, und die Welt müsste nicht jedes mal untergehen, wenn etwas nicht nach Plan nach den eigenen Vorstellungen läuft.

Genau deshalb möchte ich heute ein paar Dinge erwähnen, die vielleicht nicht so angenehm oder populär, aber trotzdem wahr sind.
Und dann zeige ich dir, wie du mit ihnen umgehen kannst, damit du deine Brut nicht spontan an den nächsten Passanten verschenkst, oder nachts an der Bettkante im Tränenmeer versinkst, weil „das habe ich mir alles ganz anders vorgestellt.“ (been there, done that).
Und falls du bereits in einem „alles läuft aus dem Ruder“-Frust gefangen bist, ziehe ich dich dort heraus.
Notfalls an den Haaren, versprochen!

Ich weiß nämlich genau, wovon ich rede, denn ich hatte mit meinen eigenen Kindern garantiert die schönste Zeit überhaupt, und so viel Spaß, wie man nur haben kann – trotz nicht optimaler Voraussetzungen.
Nichts wünsche ich mir mehr, als dass ihr dasselbe mit euren Kindern genießen könnt!
Ich bin vielen von euch jahremäßig voraus, und sehe die Dinge ganz entspannt und trotzdem klar – und kann euch garantiert helfen.

Bereit?

 

 

 1. Schwangerschaft.

„Es war ein absolutes Wunschkind.“
Wie schön – aber bei Weitem nicht immer der Fall.

Karriere, Hochzeit mit dem Traummann, Reihenhaus, Kind – nicht jede Schwangerschaft kommt in dieser Reihenfolge und unter diesen Umständen zustande.
Es gibt mehr unerwartete, überraschende und ungeplante Schwangerschaften, als ihr euch vorstellen könnt!
Bei vielen passt ein Kind überhaupt nicht in die eigene Lebensplanung, wirft alles auf den Kopf, und der positive Balken auf dem Schwangerschaftstest ist ein großes Drama.
Vielleicht ist der Partner ungeeignet. Oder längst über alle Berge.
Oder ein großer Karrieresprung steht an, und ein Kind würde alles verhindern.
Du bist im Grunde viel zu jung oder viel zu alt.
Du hast kein Geld, keine Zeit, und keine Lust – und dieses Kind ist nur eins:

KATASTROPHE.

Lass mich dir sagen:
Ein Kind passt IMMER.
Egal, wie schrecklich schlimm die Situation gerade aussieht, wie hoffnungslos die Umstände sind, wie knapp die Kasse und wie sehr dich alles momentan überfordert – ein Kind ist zwar vieles, aber niemals eine Katastrophe.
Ein Kind ist eine ungeahnte Chance, eine Neuanfang, ein Sprung ins (schöne) Ungewisse, ein neuer Weg, eine Veränderung – aber niemals eine Katastrophe.
EIN KIND IST EIN ABENTEUER.
Und so paradox es sich in deiner momentanen Gefühlslage lesen mag: es ist immer ein Grund zur Freude!

Du kannst mir wirklich vertrauen:
du wirst es schaffen.
Das erste mal in deinem Leben kannst du dich nicht auf deine Erfahrungen verlassen (selbst, wenn du schon 2 Kinder hast – du weißt nicht, wie es mit 3 ist ;)) – und das ist einerseits sehr aufregend, und macht andererseits Angst.
Das verstehe ich sehr gut!
Ich war mit 19 schwanger, ohne Ausbildung, ohne Geld – wie erwähnt: been there, done that.

Jetzt musst du mir einfach glauben:
Alles, was an Herausforderungen kommt, wirst du schaffen.
Du wirst daran so wachsen, wie an sonst nichts in deinem Leben.
Du wirst etwas ganz Neues, Wunderschönes und Abenteuerliches erleben.
Ja, es wird sich vieles ändern.
Ja, es wird nicht immer einfach sein.
Es wird anders sein – anders schön, anders aufregend, anders erfüllend.
Nicht schlechter, einfach anders!
Und du wirst glücklich sein.

Hadere nicht mit der Situation „wäre ich doch nur vorsichtiger gewesen…“, „könnte ich doch nur die Zeit zurückdrehen…“, „hätte ich damals nicht..“ – verbiete dir jeden solcher Gedanken!
Du brauchst deine ganze Energie jetzt dafür, deine Schwangerschaft zu genießen und dich über dein Kind zu freuen – da haben wir für „hätte, könnte, wäre“ keine Zeit.
So verständlich und nachvollziehbar das ist: du konzentrierst dich jetzt mit ganzer Intensität auf das Genießen, ja?

Freuen und Genießen.
Freuen und Genießen.
Freuen und Genießen.
Du lässt es dir gut gehen, gehst an die frische Luft, isst gesund (musst du dich viel übergeben, ist das zwar nicht schön, aber normal, und hormonell durchaus positiv), schläfst viel und hörst mit dem Rauchen auf.
Du verwöhnst dich selbst wie noch nie zuvor!

Und jedes Nachweinen, Bedauern, Wünschen, Zurücksehnen und mit anderen Vergleichen („wie wäre mein Leben, wenn das Kind nicht da wäre?“) ist momentan ganz fehl am Platz, raubt dir nur Lebensqualität und -energie, und deshalb weigerst du dich.
Du musst dich schon entschieden WEIGERN, denn diese Gedanken und Emotionen werden oft und ganz ungefragt vorbeikommen: beim Aufwachen, beim Ins Bett gehen, bei jeder Begegnung mit früheren Freunden, beim Sehen vermeintlich „glücklicher Paare“ (falls du alleine bist) zum Beispiel. Just saying.

Und an alle, die jemanden in ihrem Freundeskreis kennen, der unerwartet schwanger ist:
diese Person braucht NUR extremes Mitfreuen (selbst, wenn sie selbst dauernd heult! Selbst dann!), NUR Ermutigung, NUR praktische Unterstützung.
Jede positive Bestärkung ist Gold wert!
Und Standard bei jeder Liebesbotschafterin.
(Und wehe, ich erwische eine von euch, wie sie einer werdenden Mami Angst macht oder ihr Zweifel einredet. Glaub‘ mir, sie hat schon von ganz alleine genug Angst, da braucht sie deine Befürchtungen nicht noch zusätzlich.)

 

 

2. Geburt

Eine Geburt ist ohne Zweifel eins der extremsten emotionalen Erlebnisse im Leben – und sehr belegt von Wünschen, Träumen und Ängsten.
Du kannst dich wirklich darauf freuen (etwas anderes würde ich mir als Liebesbotschafterin einfach nicht erlauben).

Vertraue, dass dein Körper intuitiv alles richtig machen wird, du genau spüren wirst, was und wen du wann genau brauchst – und kommuniziere das ganz klar.
Du, dein Körper, dein Kind: ihr seid das Wichtigste bei dem Ganzen.
Nicht der Mann, nicht die Klinik, nicht die Meinung der Hebamme („was denkt sie jetzt, wenn ich laut stöhne?“) – sie ist für dich da, und nicht du für sie.

Es gibt viele großartige Ärzte und Hebammen, die nicht nur einen Beruf ausüben, sondern ihre Berufung gefunden haben – wenn du so jemanden findest, darfst du wirklich dankbar sein.
Es gibt allerdings auch andere (wie immer und überall bei den Menschen): übernächtigte, überarbeitete, übermüdete, frustrierte oder einfach unsympathische Geburtshelfer – und diese kann man sich nicht immer aussuchen.
Wenn du auf so jemanden triffst (UND DAS KANN PASSIEREN): keine Panik.
Du bleibst ruhig, machst dir keine Gedanken und steigst nicht noch emotional auf irgendwas ein – du bleibst bei deinem Kind und bei dir.
Das braucht jetzt deine ganze Konzentration und Kraft.
Du vertraust, dass alles gut geht.

Und was ist, wenn nicht alles gut geht?
Dann schaffst du es auch.
Darüber spricht man nicht so gerne, aber:
es gibt immer mal Komplikationen, unerwartete Wendungen, und manchmal sogar echte, menschliche Fehler.
Wenn du also nicht deine „Traumgeburt“ erleben durftest, DANN IST ALLES GUT.
Versöhne dich damit, und gebe diesem Erlebnis nicht eine so große Bedeutung – lasse es einfach hinter dir.
So sehr ich dir deine „gedämpftes Licht, Badewanne, klassische Musik, Traumpartner und Lieblings-Hebamme an der Seite“ – Geburt wünsche – die Regel ist das nicht: UND DAS IST NICHT SCHLIMM.
Je weniger romantisch du dir das ausmalst, umso entspannter wirst du alles erleben.

Lese keine Internetberichte von Frauen, die traumatische Erlebnisse hatten, googel‘ nicht zu viel, und halte dich nicht in Foren auf – schlafe lieber in der Zeit, lese ein lustiges Buch oder kuschele mit dem Kind (falls bereits auf der Welt ;)).
Was auch immer du tust – hadere nicht mit „ich habe mir die Geburt aber ganz anders…“ – o.k., schade, aber vorbei.
Das liest sich vielleicht etwas hart und unemotional, aber ich in Wahrheit liebe ich dich, und will nicht, dass du ewig irgendwas nachhängst, was du sowieso nicht ändern kannst.

Was nützen dir deine vielen Emotionen, wenn sie dich runterziehen?
Egal, wer „schuld“ ist – egal, was schief lief – es ist vorbei.

Ich weiß, dass jetzt eventuell welche sauer auf mich sind, weil sie dank ihrer Opferrolle angesichts des traumatischen Geburtserlebnisses so viel Zuspruch und Aufmerksamkeit bekommen – aber das nehme ich in Kauf.
Denn wenn man diese Geburtsromantik hinter sich lässt (und diese sieht bei jedem etwas anders aus), dann ist da Freiheit auf der anderen Seite.
Mit ohne klassische Musik, Badewanne und vielleicht mit einem Not-Kaiserschnitt oder Saugglocke – aber das ist alles nicht so wichtig.

 

„Aber Joanna, ich habe neulich einen Artikel gelesen, in dem stand, dass das Geburtserlebnis für die Mutter-Kind-Bindung entscheidend ist?“

ALS OB MAN SICH DAS AUSSUCHEN ODER IM NACHHINEIN NOCH ÄNDERN KÖNNTE!
Ich verrate dir etwas:
Vergiss es einfach.
Du wirst noch Jahre haben, in denen du Erlebnisse sammeln kannst, die für die Mutter-Kind-Bindung wichtig sind.
Also entspanne dich, glaub’s nicht jeden Quatsch, mache dir nicht zu viele Gedanken, und schlafe lieber ausreichend.
Hilft allen Beteiligten mehr als jedes postnatale Bedauern.

Bei der Geburt ist es ein bisschen wie bei der eigenen Hochzeit – jede Erwartung, dass es „der schönste Tag meines Lebens“ werden soll, ist hausgemachter Stress.
Es KANN wunderschön werden, keine Frage.
Wenn es aber so semi wird, dann bist du trotzdem hinterher verheiratet – ist doch egal, wie es letztendlich war!
Und nach der Geburt hast du hinterher auf jeden Fall dein Baby.
Es kommen noch sooo viele schönste Tage!

Und noch kleines Detail, über welches mich keiner beim 1. Kind informiert hat (!):
direkt nach der Geburt passt man nicht sofort in seine alte Jeans.
Ich habe damals nicht schlecht gestaunt ;)!

 

3. Stillen.

Dass Stillen das Beste überhaupt ist, wissen alle Schwangeren.
Hach, diese innige und zärtliche Mutter-Kind-Idylle!

Stillen mag als das superromatischste Ding überhaupt gelten – aber es ist am Anfang meist einfach nur anstrengend und schmerzhaft.
Der Milcheinschuss ist eine große körperliche Veränderung, und das Stillen muss erst gelernt werden.

Das ist teils ungewohnt, unangenehm, und tut manchmal sehr (!) weh – es ist eher die Regel, also braucht sich keiner erschrecken, oder deswegen schlaflose Nächte haben.
Die Brüste werden riesig und manchmal sogar unproportional zum restlichen Körper (ich sah aus wie eine Barbie und kam mir total dämlich vor), es treten unangenehme Spannungsgefühle auf, und für bestimmte Körbchengrößen gibt es keine sexy Spitze, sondern altbackene, gruslige Still-BH’s (dann ist man also nicht nur übermüdet, sondern zusätzlich hässlich. Danke für nichts.)
Kann man das Kind nicht regelmäßig oder rechtzeitig anlegen, oder steht unter seelischem Stress (und wer tut es nicht mit einem Neugeborenem?), staut sich die Milch und das kann wirklich weh tun – die Brustwarzen schmerzen am Anfang höllisch und bluten nicht selten.

Das gibt es ganz, ganz oft, und deshalb ist es wichtig, dass man sich so viel Unterstützung und Zuspruch in Sachen Stillen holt, wie nur möglich!
Wie werde ich einen Milchstau los, was tun bei wunden Brustwarzen, wie oft lege ich an, und wie lange – bei all den aufregenden neuen Dingen, die auf einen zukommen, ist dieses Wissen Gold wert!

Und noch etwas unpopuläres:
Anfangs wirst du dir manchmal wie eine Milchkuh vorkommen.
Kind wickeln, stillen, tragen, schlafen, wickeln, stillen, tragen, schlafen – viel mehr bekommst du nicht auf die Reihe.
Das ist überhaupt nicht schlimm, ganz normal, und sogar wichtig für dich, deinen Körper, und das Kind.
Sei also nicht frustriert oder gelangweilt deswegen, und bekomme um Himmels Willen keine Gewissensbisse, weil „ich müsste es eigentlich genießen, aber ich fühle mich wie eine Nahrungsquelle.“
Das ändert sich wieder.
Halte noch ein bisschen durch, das wird noch schön :).

Es heißt übrigens WochenBETT, und nicht WochenAUFRÄUMEN, WochenPUTZEN, WochenSHOPPEN oder WochenUNTERNEHMEN oder gar WochenINSTAGRAMMEN.
Du bleibst im Bett, ungeschminkt und übernächtigt, und bist nicht frustriert, dass sonst nichts läuft, ja?
Für alles andere organisierst du Hilfe.

Dieser Zustand wird vorbeigehen, und das Kind wird nicht „dein Leben lang an deiner Brust hängen/am Bein kleben.“
Versprochen!

 

 

4. Nächte. 

Nicht schlafen zu können ist das schlimmste überhaupt – ich habe es gehasst, und mich niemals daran gewöhnt.
Am Anfang wirst du mit 90% Wahrscheinlichkeit im Team „Overnight“ sein – die Kinder, die durchschlafen, sind eher die Ausnahme.
Also keine Panik, keinen Stress, kein unsicheres: „Was hat das Kind denn jetzt schon wieder…“.

Dass Neugeborene und Babies nachts gestillt und getragen werden müssen, daran geht kein Weg vorbei – und auch das wirst du schaffen.
Manchmal werden sie sogar nicht aufhören zu weinen, obwohl du sie trägst: werde dann nicht sofort panisch und bringe dich selbst unter Druck „Was mache ich falsch?“.
Du machst vielleicht irgendwas falsch (was meistens überhaupt nicht schlimm ist), aber ganz viel richtig, und dem Kind hilft deine Ruhe am allermeisten.

Du schaffst das.
Du schaffst das sehr gut.

Und bist keine schlechte Mutter, wenn du das Kind zwischendurch einfach mal abgrundtief hasst, weil es jede Stunde wach wird, und du körperlich völlig am Ende bist – auch das ist normal, und wird noch paar mal vorkommen.
Manchmal muss du mitten in der Nacht das Bett neu beziehen, das Kind duschen und beruhigen, während du überlegst, ob man vor Müdigkeit eigentlich sterben kann?
Aber du wirst all das hinkriegen, und zwar ohne auszurasten und ohne zusammenzubrechen: du machst einfach eins nach dem anderem, und bekommst keine Panik dabei.
Du. schaffst. das.

Spätestens morgen früh wirst du dein Kind wieder unendlich lieben, weil es dich zahnlos anstrahlt, und mit dem niedlichsten Pokerface so tut, als ob es von der letzten Nacht nichts wüsste.
Babies haben diese Performance perfektioniert und es klappt. jedes. mal.

Ich garantiere dir:
Irgendwann werden diese Phasen weniger, kürzer, und auf einmal sind sie Teenager und schlafen bis 15 Uhr nachmittags, wenn du sie nicht vorher weckst.
Ihre Betten beziehen sie ganz alleine – und manchmal sogar noch deins, wenn du keine Zeit dafür hast.

 

5. Schwierige, unerwartete Umstände.

Nicht schön, aber trotzdem wahr:
nicht jedes Kind wird in die perfekte Situation hineingeboren – und nicht jede Situation bleibt perfekt.

Verabschiede dich von der Vorstellung, dass alles immer nach Plan läuft – das erspart dir so viel Frust und Tränen!
Was auch immer an Herausforderungen kommt: Krankheit, Trennung vom Partner, finanzielle Engpässe, unerwartete unglückliche Umstände – du wirst das alles meistern und bist in der Lage, alles zu bewältigen.
Wie groß und zunächst unüberwindbar die tatsächliche Herausforderung auch erscheinen mag – du wirst sie packen.

Am besten trennst du dich gleich heute von dem Trugschluss, dass alle äußeren Umstände passen müssen, damit du endlich glücklich sein kannst.
Tiefe Wahrheit, aber SO WICHTIG!
Verabschiede dich von deinem romantischen „nur so: (setze hier bitte deine Traumvorstellung ein, bestehend aus Traumpartner, gewünschte Anzahl/Geschlecht der Kinder/Traumhaus/Anzahl der Urlaube/Auslandsreisen im Jahr) bin ich glücklich“ – Bild!
Du darfst dir erlauben, JETZT glücklich zu sein – OBWOHL nicht alles nach Bilderbuch aussieht.
Du darfst JETZT ausgelassen, fröhlich, albern, erfüllt und entspannt sein – OBWOHL noch jenes schlimm ist, und in diesem Bereich sich noch vieles ändern könnte, und wie soll das überhaupt mit jenem Thema werden.
Warte nicht darauf, sondern beschließe, JETZT und HIER dein Leben zu feiern!

Mit oder ohne Partner, mit einem gesunden Kind oder einem, welches besondere Unterstützung braucht, mit Geld oder ohne – warte nicht auf den passenden Umstand, passendes Gefühl oder irgendeine sonstige Erlaubnis:
genieße jede Sekunde und freue dich!

 

„Aber Joanna, ich wünsche meinem Kind nun mal die allerschönste Kindheit!“

Oh, wie gut ich das verstehen kann!

Ich verrate dir jetzt ein Geheimnis:
Was für dich gilt, gilt für dein Kind.
Es muss nicht alles an äußeren Umständen perfekt sein, damit die Kindheit glücklich ist – das ist manchmal sogar hinderlich ;).
Kinder brauchen VOR ALLEM Eltern, die es lieben (zur Not nur ein Elternteil – viel besser als eine Fake-Beziehung den Kindern zuliebe) – aber ansonsten brauchen sie ganz wenig.
Der ganze materielle Kram ist überhaupt nicht wichtig, sie müssen gar nicht im Alter von 9 Jahren schon die halbe Welt bereist haben, und den neuesten technischen Shit im Kinderzimmer horten.
Wenn es so ist: toll. Falls nicht: nicht schlimm.
Das Kind stört sich viel weniger daran, als du glaubst.

Wenn DU dem Kind nicht das Gefühl gibst, dass etwas fehlt, dann wird es überhaupt kein Problem haben!
Glaub‘ mir, man kann wirklich sehr wenig besitzen, aber keine Mangelenergie und Armutsdenke zulassen – und dann sind alle zufrieden und keiner ist deswegen deprimiert.
Ein Umstand kommt und geht – und wenn deine Kinder lernen, unabhängig davon glücklich zu sein, dann ist es das Beste überhaupt!

 

Aber Joanna, du hast leicht reden – dein Leben ist perfekt! Wenn du von meinen Umständen wüsstest!

Als ob du mir mehr glauben würdest, wenn ich alleine, pleite, krank und mit allem am Ende wäre!
Das ist hier kein „Wer hat die schlimmsten Probleme“-Wettbewerb.
Ich sage dir lediglich, dass du jederzeit eine Entscheidung treffen kannst: für Lebensfreude.
Für Genuss.
Für Glücklichsein.
Die Liebe ist immer größer als jeder Umstand, der Stärkste hat das Sagen, Love over Fear, Ober sticht Unter.

Du bist also keine Ausnahme und kein Sonderfall, bei dem es „ganz besonders schwer ist“.
Dazu stehe ich – und ich habe wirklich Zeiten erlebt, in denen ich fast nichts hatte – mit 3 Kindern.
Ich sage nicht, dass es schön war – ich sage nur, dass es keinem geschadet hat, ganz im Gegenteil!

 

 

6. Zeit.

Kinder sind ein UN-END-LICHE Zeitfresser – das offen zuzugeben, klingt nicht unbedingt attraktiv.
Es stimmt aber trotzdem!
Alles dauert ungefähr doppelt so lange wie zunächst geplant, und dreimal so lange, wie du dachtest, als du noch keine Kinder hattest.
Jeder Ausflug gleicht einer Expedition in den Himalaya und außerdem musst du ständig irgendwelche willkürliche Schlafens- und Fütterungszeiten beachten.
Und das ist erst der Anfang!

Solltest du zuvor effektiv gewesen sein: mit Kindern wirst du ungefähr 1/4 davon hinkriegen – MIT VIEL AUFWAND.
Es wird Tage, Wochen und Monate geben, in denen du das Gefühl haben wirst, dass du absolut nichts „geschafft“ hast, außer natürlich Kind wecken, Kind anziehen, Kind füttern, um’s Kind kümmern, Kind ins Bett bringen.
In beliebiger Reihenfolge, aber ansonsten NICHTS.
Trotzdem wirst du übrigens abends todmüde ins Bett fallen, aber du wirst kein sichtbares „Erfolgserlebnis“ haben, wie früher bei einem Projekt.
UND DAS IST GAR NICHT SCHLIMM UND GANZ NORMAL.
Sei also nicht frustriert deswegen – das tut dir auch mal gut, einfach so happy zu sein, auch wenn du nichts „erreicht hast“ ;).

Ich gebe dir einen Rat:
nehme dir für den Anfang nichts anderes großartiges vor.
Gar nichts!
Mache keine großen Pläne, starte kein Business, und plane nicht „einen erfolgreichen Mamablog zu schreiben“ – vergiss es einfach!
Es gibt bestimmt Kinder, die sehr viel schlafen – dann trinken – und dann wieder schlafen, aber das ist nicht die Regel.
Enstpanne dich völlig, lege den Ehrgeiz weg, slow down, und gönne es dir, im Rhythmus des Kindes zu leben:
diese Zeit wird sich wieder ändern (versprochen!), du wirst mehr Freiraum haben (ich schwöre!), und du wirst aufgrund vom Kind nichts verpassen (das garantiere ich!).

Nimm‘ dir Zeit.
Du musst nicht am Ende des Tages – des Monats – des Jahres etwas „erreicht“ haben mit kleinen Kindern.
Das wichtigste ist, dass die Mama entspannt und locker ist – damit hast du genug erreicht.
Alles andere wird zu seiner Zeit passieren, und das wird übrigens genau der richtige Zeitpunkt für dich und dein Kind sein.
Mach‘ dir gar keinen Druck.
Alles entspannt, alles langsam – gefühlt zu langsam für dich und genau richtig für alle Beteiligten.

Eins kann ich dir versichern:
eines Tages wirst du aufwachen, deine Kinder sind 2 Köpfe größer als du, und du wirst beim besten Willen nicht nachvollziehen können, WIE SCHNELL SIE GROßGEWORDEN SIND.
Muahahaaaaa, ehrlich wahr.

Deswegen: genieße jede Sekunde, in der du „nichts geschafft hast“.
Außer natürlich das dämliche Bärenbuch zum 164 mal vorzulesen – zusammengerechnet hast du bestimmt 2 Jahre deines Lebens nur das dämliche Bärenbuch vorgelesen.

Denn so unspektakulär und langweilig das klingeln mag :
du hast deine Zeit in einen Menschen investiert – und das ist wertvoller als jedes andere Projekt oder Karriereschritt.
Herzlichen Glückwunsch hierzu!

Und genau darum geht es bei dieser Eltern-Kind-Sache nämlich ;).

Liebesgrüße
Joanna

 

Im Teil II. werde ich ein paar unbequeme Wahrheit über Erziehung im Allgemeinen schreiben.
Und über andere Mütter und andere Kinder.
Über schlechtes Gewissen und die Förderung von Kindern.

Stay tuned!

 

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81 Comment

  1. Reply
    Karina
    27. Juli 2021 at 0:15

    Der Beitrag ist zwar ehrlich, aber immer mit dem Kommentar versehen „alles normal, das wird wieder besser und bald sind sie groß und selbstständig“, was meiner Meinung nach ein schwacher Trost ist und man muss (besonders in den schwierigen Phasen am Anfang) schon sehr optimistisch sein um so denken zu können. Ich muss gestehen mir fehlt dieser Optimismus oft und ich finde nicht dass die Zeit schnell vorüber geht, vor allem wenn man monatelang kaum geschlafen hat, dann kommen einem 6 Monate oft wie 2 Jahre vor und man leidet tatsächlich unsäglich. Klar, das mag normal sein und irgendwann ist die Phase vorbei, jedoch bringt einem das in dem Moment herzlich wenig wenn man auf dem Zahnfleisch geht und kaum noch Zeit für sich selbst hat.

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